Es ist schön, wenn die Tage so vergehen, wie man es gerne hätte. Nicht jeder Tag ist jedoch geeignet, am Abend freundlich gesinnt an die Stunden, die man seit dem Aufstehen verbracht hat, zurückzudenken. An manchen Tagen wäre es sogar besser, man wäre niemals aufgestanden. So ein Tag war heute. Ich hatte Dienst an den Whirlpools. Handtücher reichen, Getränke bringen, aber auch andere Hilfestellungen, wie zum Beispiel beim Ein- und Aussteigen, gehörten dazu. Manche Gäste wollten in den großen Swim Spas auch ein paar Übungen machen, statt sich nur zu entspannen.
Die Vorschriften in der Bäderabteilung besagen, dass man hier ohne Badeschuhe nicht eintreten durfte. Die Badelatschen sollten die Rutschgefahr minimieren. Zwar waren überall rutschfeste Matten angebracht, doch einige Zwischengänge zwischen den einzelnen Pools waren auch einfach nur gefliest. Warum musste gerade, wenn ich Dienst hatte, jemand ohne Badeschlappen hier herumlaufen? Ich ärgerte mich und wollte gerade auf den Herrn im lila Bademantel zustürmen, um ihn zu Recht zu weisen. Ich hatte noch nicht den halben Weg zurück gelegt, da passierte es auch schon. Er rutschte aus. Seine Füße rutschten ihm nach vorne weg, er knallte rücklings auf den Boden, natürlich nicht, ohne mit dem Kopf an eine Kante zu schlagen. Mir wurde schlagartig schlecht. Sofort griff ich zum Schnurlostelefon, um die Chefin zu informieren, dass wir Notarzt und Sanka brauchen würden. Das Blut floss nur so aus der Wunde, die sich der Mann am Hinterkopf geschlagen hatte. Er war bewusstlos, und ich konnte nichts weiter tun, als ein Handtuch auf die Wunde zu pressen, nachdem ich den Herrn in die stabile Seitenlage befördert hatte.
Eine Menschentraube hatte sich gebildet, die sich erst etwas auflöste, als der Notarzt, die Chefin und die Sanitäter mit der Trage ankamen. Es kam mir vor, wie Stunden, dabei waren nur wenige Minuten vergangen. Der Mann wurde sofort versorgt und in das Klinikum gebracht. Als alles vorbei war, ließ auch bei mir die Anspannung nach, was zur Folge hatte, dass ich bitterlich weinen musste. Dass es rund um die Whirlpools gefährlich rutschig war, musste auch ich manchmal schon feststellen. Nie aber war in meiner Anwesenheit etwas solches passiert. Es war niemand da, der mich hätte vertreten können, ansonsten hätte meine Chefin mich nach Hause gehen lassen. Ich musste noch einige Fragen beantworten, warum ich dem Herrn nicht den Hinweis auf die Badeschuhe-Pflicht verdeutlicht hatte. Andere Zeugen des Unfalls bestätigten meine Angaben. Es war wichtig, wegen der Versicherung des Ressorts. Meine Chefin glaubte mir auch sofort, da sie mich ja eigentlich als zuverlässige und verantwortungsbewusste Person kennt. Auch als am Abend schon von Blut und Verbandszeug nichts mehr zu sehen war, konnte ich nicht ohne ein mulmiges Gefühl an die Stelle blicken, an der der Gast so schrecklich gestürzt war. Hoffentlich ist ihn nichts Schlimmeres passiert. Bisher haben wir keine Nachrichten aus dem Krankenhaus erhalten.
