Ich bin normal nicht diejenige, die sich auf besondere Abenteuer einlässt. Immer noch hätte ich gerne einen Mann, auch gerne fürs restliche Leben. Aber mich deswegen in One Night Stands zu flüchten, sehe ich nicht ein. Allerdings lässt mir mein Beruf, neben all dem Sport und den Hobbies die ich habe, kaum Zeit, um ausgiebig zu suchen. Die Männer, die alleine zu uns ins Ressort kommen, sind schon deswegen tabu, weil sie ja nach einigen Tagen oder Wochen wieder nach Hause fahren, und dann war’s das. Meine Chefin hat nicht ausdrücklich verboten, dass wir uns da auf amouröse Abenteuer einlassen. Gern gesehen wird es aber auch nicht. Schon die traurigen Gesichter sind nicht gerade der Wellness der Gäste zuträglich, die nichts mit dem Liebeskummer zu tun haben. Und die, um die es geht, sind meistens schon wieder weg.
Einmal landete auch ich im Wasserbett eines Gastes. Er war vier Jahre älter als ich, sehr gut aussehend und nicht unsympathisch. Ich gönnte mir am Anfang nur einen zweiten Blick. Als ich dann eingeladen wurde, mit ihm am Abend einen Wein trinken zu gehen, überlegte ich entgegen meiner Art nicht lange. Es war eine traumhafte Woche, die wir miteinander verbrachten. Am letzten Abend landeten wir auch im Bett, aus dem ich morgens um vier wieder verschwand. Ich wollte nicht gesehen werden, aber auch keinen Abschied, denn ich hatte mich verliebt. Als sich herausstellte, dass der Gast nur deswegen bei uns im Hotel wohnte, weil sein Haus in unserer Stadt noch nicht ganz bezugsfertig war, freute ich mich. Wir waren bis vor sechs Monaten ein glückliches Paar, eingespannt in zeitraubende, begeistert ausgelebte Jobs.
